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Risiko durch eine späte Einbindung der Verifizierung (Blog 2/5)

In fast allen Projekten wird die Verifizierung erst spät in die Entwicklung eingebunden. Dies kann zum einen seine Ursache in knappen Ressourcen haben, die in anderen Projekten benötigt werden oder dem Projektleiter ist nicht bewusst, dass späte Einbindung das Projektrisiko steigert. Häufig wird die Verifizierung auch nur als formaler Akt am Ende der Entwicklung betrachtet. Im Folgenden möchte ich kurz erläutern, warum eine späte Einbindung Risiken für das Projekt birgt und welche Vorteile eine rechtzeitige Einbindung für ein Projekt haben kann.

 

Projektrisiken entstehen

 Die meisten Angestellten, die in Projekten im regulierten Umfeld arbeiten, kennen das immer wiederkehrende Problem: Am Ende der Projektenwicklungsphase treten unerwartete Probleme und Abweichung auf, die aufwendige, späte Änderungen am Produkt notwendig machen. Dies ist bei einer rückwirkenden Betrachtung von Projekten häufig auf die späte Einbindung der Verifizierung zurückzuführen.

Wird die Verifizierung erst spät in ein Projekt im regulierten Umfeld eingebunden, entstehen schwer zu kalkulierende Risiken für das Projekt. Das Potenzial, die Möglichkeiten und das Knowhow der Verifizierung werden nicht genutzt. Betrachtet man die Verifizierung als Garant und Leuchtturm für die Einhaltung von diversen internen und externen Anforderungen und Standards an das zu entwickelnde Produkt, wird schnell klar, dass die Verifizierung die Qualität und die Konformität des zu entwickelnden Produkts sicherstellt. Und insbesondere die Qualität sollte nicht erst am Ende eines Projekts sichergestellt oder erst in das Produkt gebracht werden. Hier gilt die einfache Annahme, dass die Kosten für einen Fehler immer höher werden, je später sie gefunden werden.

Folgende Risiken für das Projekt entstehen durch das Fehlen der Verifizierung in der Start-, Konzeptphase eines Projekts

  • Nicht testbare Anforderungen
  • Unvollständige Anforderungen
  • Fehlerhaft ausgelegte normative Anforderungen
  • Nicht berücksichtigte normative Anforderungen

 

Frühe Einbindung der Verifizierung ist eine logische Konsequenz

 Hieraus ergibt sich die logische Konsequenz, dass die Verifizierung frühzeitig, wenn auch nicht notwendigerweise mit voller Teamstärke, das Projekt begleitet sollte.

In dem sogenannten W-Modell lässt sich recht vereinfacht darstellen, dass es das Ziel der Verifizierung sein muss, früh in die Projektabläufe einzugreifen, um rechtzeitig Probleme zu erkennen und adressieren zu können.

 

 

Koordinator für die Produktqualität als Kompromiss

 Zu Beginn eines Projekts stehen häufig nicht die Ressourcen zur Verfügung, um bereits mit einem kompletten Team das Projekt zu unterstützten. Deshalb stellt die Einführung eines Koordinators für die Produktqualität einen gangbaren Weg und Kompromiss dar. Dieser fungiert bereits zu Beginn des Projekts als die Schnittstelle zwischen Entwicklung und der Produktqualifikation. Die Produktqualifikation umfasst neben der Verifizierung noch zusätzlich die Reliabilty- und Usability-Maßnahmen und umfasst somit jegliche Maßnahmen zur Ermittlung und Sicherstellung der Produktqualität und der Produktkonformität.

Aus dieser Überlegung entsteht das folgende Schaubild. Zu Beginn der Projektentwicklung ist zunächst nur der Koordinator für die Produktqualität involviert, im Verlauf der Projektphasen baut sich anschließend die Teamgröße entsprechend der notwendigen Tätigkeiten weiter auf und spätestens zum Start der Verifizierungsphase sollte die komplette Teamgröße zur Verfügung stehen.  Es ist jedoch zu empfehlen, dass bereits für eine Probeverifizierung am Ende der Projektphase die geplante Teamstärke zur Verfügung steht. Dadurch wird durch die Projektverifizierung die Einarbeitung des Teams und die Abläufe bereits trainiert. Durch eine Probeverifizierung wird somit die offizielle Verifizierungsphase beschleunigt.

 

 

Wozu dieser Aufwand

 Natürlich treiben zusätzliche Ressourcen bereits zu Beginn der Entwicklung dem Projektleiter das P in die Augen, da dieser häufig unter Kostendruck und Ressourcenmangel leidet. Dabei sind die positiven Effekte und die dadurch verringerten Projektrisiken und verminderte Kosten für die Verifizierungsphase für das Projekt höher einzuschätzen, als die der Ressourcenbedarf zu Beginn des Projekts.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass man durch eine frühzeitige Einbindung der Kompetenzen der Verifizierung eine Verbesserung der Produktqualität und Produktreife zu Beginn der offiziellen Verifizierungsphase erreichen kann. Die wesentlichen Punkte und positive Aspekte sind hier noch mal zusammengefasst:

 

  • Sicherstellen der Testgrundlagen (Risiko-, System- und Normanforderungen)
    • Testbarkeit
    • Vollständigkeit
  • Frühzeitige Planung von Testzeiten in externen oder internen Testhäusern (Standardtests)
  • Konkreter Ansprechpartner für die Entwicklung in Bezug auf Testfragen (z.B. Interpretation von Standards)
  • Frühzeitiges festlegen der Testverantwortlichkeiten zwischen Systemtest und Integrationstest (Testlevel)
  • Kompetente Abschätzung von Aufwendungen im Test für späte Änderungen im Produkt
  • Probeverifizierungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die offizielle Verifizierung mit weniger Schleifen erfolgreich durchgeführt wird.
  • Die Fehlerfindungsrate in der offiziellen Verifizierung wird geringer

 

Über Scope Engineering
SCOPE Engineering ist ein erfahrener Engineering-Partner im sicherheitskritischen und streng normenregulierten Umfeld. Als ganzheitlicher Lösungsgestalter unterstützt das Unternehmen seine Kunden dabei sowohl operativ als auch beratend. Durch seine langjährige Branchenerfahrung in der Entwicklung komplexer Systeme bringt das Unternehmen die notwendige fachliche Expertise mit, um ressourcenoptimierte, individuelle Lösungen zu entwickeln. Einen Schwerpunkt setzt das Unternehmen dabei auf den Bereich Test, Verifikation und Validierung. Sowohl Soft- und Hardwaretests, Unit- und Systemtests als auch das Review von Spezifikationen oder Normenprüfungen fallen in das Leistungsspektrum von SCOPE Engineering.

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