Praxis, Perspektive, Netzwerk
Wer kennt das nicht? Wenn man an einer Software arbeitet, kann es gern auch mal stressig werden. Features müssen konzipiert und entwickelt, Deadlines eingehalten werden. Feedback von außen und Weiterbildung bleiben dann gern mal auf der Strecke. Doch gerade in kreativen Berufen wie im UX-Design ist es unerlässlich, sich regelmäßig mit Gleichgesinnten auszutauschen. Durch Impulse von außen wird man aus seiner eigenen Bubble gerissen und wagt einen Blick über den Tellerrand. Und was gibt es dort zu entdecken? Neue Inspiration, die die eigene Arbeit voranbringen kann. Erfahrungsberichte aus der Praxis, aus denen man lernen kann. Tipps und Tricks, die einem die Alltagsaufgaben erleichtern oder einem ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Neue Trends und Impulse, die dafür sorgen, dass man auf der Höhe der Zeit arbeitet.
UX-Events und UX-Konferenzen bieten genau das: Austausch mit Gleichgesinnten, praxisnahe Erfahrungsberichte und die Möglichkeit, sich kennenzulernen und zu vernetzen. Gerade UX-Designer:innen, die in ihrem täglichen Umfeld wenig UX-Sparringpartner:innen und wenig Austauschmöglichkeiten haben, können durch das geballte Community-Wissen enorm profitieren. Dabei schafft das Zusammenkommen vor Ort eine ganz andere Nähe und ermöglicht ein deutlich intensiveres und unverkrampfteres Networking als bei Online-Veranstaltungen.
Doch auch für andere Stakeholder:innen kann der Besuch einer UX-Konferenz sehr lohnend sein, denn gute UX bei einem Produkt ist immer eine Gemeinschaftsleistung: Ein:e UX-Designer:in kann alleine ein Produkt nicht „retten“, dazu braucht es die Unterstützung aller Beteiligten. Und je besser Wissen über UX und entsprechende Strategien gerade in der Projektmanagement-Ebene verankert sind, desto mehr wird das Produkt davon profitieren.
Aber natürlich ist UX-Event nicht gleich UX-Event: Es gibt verschiedene Zielgruppen und Themenschwerpunkte, verschiedene Formate und Preisrahmen. Um die Entscheidung ein wenig leichter zu machen, möchte ich die aus meiner Sicht drei empfehlenswerte UX-Veranstaltungen vorstellen.
UX Festival by German UPA
Die German UPA ist der Berufsverband der Deutschen Usability und User Experience Professionals und damit eine sehr gute Anlaufstelle für Austausch und Community.
Das UX Festival fand dieses Jahr am 20. und 21. Juni 2026 in Erfurt statt. Und „Festival“ ist hier Programm, denn es handelt sich im Kern um ein sogenanntes Barcamp. Das heißt, dass alle Teilnehmer:innen etwas zum UX-Event beitragen können und sollen. Daher gibt es, anders als bei klassischen UX-Konferenzen, kein festes Programm. Stattdessen kann jeder ein beliebiges UX-Thema, eigene Erfahrungen oder einfach eine Frage mitbringen und daraus eine Session machen. Die Teilnehmer:innen können dann die Sessions auswählen, die sie am meisten interessieren. Dadurch entsteht ein sehr offener und intensiver Austausch, dessen Qualität und Ausgang vom Engagement der Anwesenden abhängt. So können aber sehr interessante und teils auch unvorhersehbare Ergebnisse entstehen. Durch den Mitmach-Charakter können die Besucher:innen die Veranstaltung sehr stark mitgestalten und mit etwas Glück ein sehr breit gefächertes Themenfeld erleben.
Das UX Festival ist also perfekt für alle, die sich gern austauschen und Lust darauf haben, sich aktiv einzubringen. Durch das sehr offene Themenspektrum wird vermutlich jeder danach wertvolle Erkenntnisse mitnehmen und Bekanntschaften schließen, die vorher keiner auf dem Schirm hatte.
Mehr Infos zum UX Festival gibt es hier: https://www.ux-festival.org/

UIG-Tagung
Die UIG-Tagung ist eine UX-Konferenz, bei der der Themenschwerpunkt jedes Jahr neu gesetzt wird. Dieses Jahr findet sie am 24. und 25. September 2026 in Karlsruhe zum Thema „Nutzerfreundlich digital für ein besseres Leben“ statt.
Veranstaltet wird die UIG-Tagung vom UIG e.V. Der UIG e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich dafür einsetzt, digitale Produkte und Dienstleistungen für Städte, Bürger und Unternehmen nutzerfreundlicher und verständlicher zu gestalten. Entsprechend diesem Grundsatz zeichnet sich die UIG-Tagung vor allem durch ein sehr hohes Maß an Praxisnähe aus, mit vielen Erfahrungsberichten und Case Studies führender Spezialist:innen der UX-Branche. Neben inspirierenden Keynotes und praxisorientierten Workshops finden mehrere Vorträge parallel in verschiedenen Tracks statt, sodass die Teilnehmer:innen je nach Interesse individuelle Schwerpunkte setzen und sich gezielt zu unterschiedlichen Themen der nutzerzentrierten Digitalisierung weiterbilden können. Damit bietet die UIG-Tagung UX-Designer:innen die Möglichkeit, wertvolle Impulse für ihren Arbeitsalltag mitzunehmen und aus den positiven sowie negativen Erfahrungen anderer zu lernen. Aber auch Manager:innen und andere Stakeholder:innen können so aus diesem UX-Event wichtige Erkenntnisse für ihre eigenen Projekte und UX-Strategien gewinnen. Besonders spannend ist natürlich auch das Netzwerken mit den UX-Expert:innen. So lassen sich die in den Vorträgen vorgestellten Themen noch in kleinerer Runde vertiefen und Fragen, Gedanken und Best Practices austauschen. Außerdem können so erste Kennenlernen stattfinden und Kontakte für potentielle Kooperationen geknüpft werden. Das macht diese UX-Konferenz zur richtigen Anlaufstelle für alle, die von den renommierten Branchenführer:innen lernen und sich mit ihnen vernetzen wollen.
Hier gibt es mehr Informationen zur UIG-Tagung 2026: https://nutzerfreundlich.digital/event/uig-tagung-2026-save-the-date/

UXDEVCON
Die UXDEVCON findet am 18. März 2027 in Saarbrücken statt und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die menschenzentrierte Softwareentwicklung im KI-Zeitalter sowie auf das Zusammenspiel von Design und Entwicklung. Das Besondere bei dieser UX-Konferenz sind die vielen verschiedenen Blickwinkel, die die Themen User Experience, Development und Digitalstrategien beleuchten: Auf der Bühne stehen sowohl UX-Designer:innen, Frontend-Entwickler:innen, Product Owner:innen als auch Geschäftsführer:innen und halten praxisnahe Vorträge aus ihrem Berufsalltag und berichten von ihren vielfältigen Erfahrungen. Dabei werden die aktuellen Herausforderungen und Trends besprochen und bewertet, welchen Nutzen einzelne Disziplinen oder ganze Unternehmen daraus ziehen können. Die Vorträge werden hintereinander präsentiert. Im Anschluss stehen Breakout-Räume für den direkten Austausch mit den Sprecher:innen sowie für vertiefende Diskussionen zur Verfügung.
Damit ist die UXDEVCON keine reine UX-Veranstaltung, sondern die Schnittstelle zu etwas Übergreifenderem: der Zusammenarbeit in multidisziplinären Teams, der strategischen Ausrichtung zukunftssicherer Unternehmen und der Arbeit an Produkten, die nicht nur funktionieren, sondern die Nutzer:innen begeistern. Dementsprechend spannend dürfte auch das Netzwerken ausfallen: Der Austausch verschiedener Perspektiven durch Menschen mit verschiedenen Rollen kann neue Sichtweisen und konkrete Lösungsansätze bringen und natürlich neue Partnerschaften initiieren. Dazu sind mehrere, aktive Netzwerk-Pausen sowie ein After Event Networking eingeplant.
Alles weitere zur UXDEVCON gibt es hier: https://uxdevcon.de/

Fazit
Wie geschrieben: UX-Event ist nicht gleich UX-Event. Schon diese drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Schwerpunkte und Formate sein können. Unabhängig von der Wahl dürfen sich Teilnehmer:innen jedoch auf spannende Vorträge, inspirierenden Austausch und wertvolle neue Kontakte freuen. UX-Konferenzen sind damit eine wichtige Ergänzung zu Kursen und Selbststudium, insbesondere durch die hohe Praxisnähe der Vortragenden und den intensiven Austausch innerhalb der Community. Gleichzeitig zeichnen sich viele dieser Veranstaltungen durch ein bewusst faires Preis-Leistungs-Verhältnis aus, sodass hochwertige Weiterbildung möglich ist, ohne zwangsläufig ein großes Budget einplanen zu müssen.
Über den Autor:
David C. Thömmes (B.Sc.) ist Unternehmer, Gründer und Gesellschafter des UX-Dienstleisters Shapefield sowie Principal Consultant mit Fokus auf Kundenberatung und Personalentwicklung. Zuvor prägte er über neun Jahre als Geschäftsführer sowie Lead Software & UX Engineer die technologische und strategische Ausrichtung des Unternehmens.
Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der analytischen Gestaltung digitaler Produkte sowie deren technischer Umsetzung als ganzheitliche UI-Architektur im Rahmen eines interdisziplinären UX-Designprozesses. Für seine Community-Beiträge wurde er mehrfach mit dem Microsoft MVP Award ausgezeichnet. Zudem ist er Gründer der Synerfield Holding, einer designaffinen Beteiligungsgesellschaft für moderne Tech- und Software-Startups.

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