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Wenn Agilität auf bestehende Organisationsstrukturen trifft

Eine im Auftrag der GPM von der Hochschule Koblenz durchgeführte Studie aus dem letztem Jahr zeigt deutlich: im Software-Projektmanagement sind agile Vorgehensweisen nicht mehr wegzudenken. Doch auch Projekte ohne besonderen IT-Bezug setzen zunehmend auf iterative Entwicklung, eigenverantwortliche Teams und interdisziplinäre Kommunikation. Allerdings gaben 71% der Befragten an, dass der durchgängige Einsatz agiler Methoden an den gegebenen Rahmenbedingungen wie Budgetierung, Festpreis oder Zielvorgaben scheitert.

Es zeigt sich: Wer agile Methoden einführen will, kämpft weniger mit der Vorgehensweise an sich, sondern eher mit kulturellen Gegensätzen zwischen Projekt und Organisation. Diese Gegensätze können sowohl innerhalb der eigenen Organisation, als auch der des Kunden auftreten.

Welche Gegensätze genau im Unternehmen aufeinanderprallen und wie man sie überwinden kann, wurde auf dem Project Management Day “Wenn Agilität auf bestehende Organisationsstrukturen trifft – Wo liegen die Grenzen des Machbaren?” im Mai 2019 diskutiert.
So wurde bereits im ersten Workshop die Change Story eines IT-Dienstleister gemeinsam von den Beratern von Annika Leopold (einfachstimmig) und Robert Wiesner vom Dienstleister MR Daten vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage „Wie können wir Mitarbeiter*innen über verschiedene Standorte hinweg aktiv und positiv am Wandel teilhaben lassen und so das Mindset nachhaltig verändern?“

Über ein anderes Umfeld in der agilen Transformation berichtete wiederum Dr. Sven Söhnlein internen IT-Dienstleister der Stadt Nürnberg. Denn auch wenn in der öffentlichen Verwaltung agile Methoden mittlerweile angekommen sind, machen es die Organisationsstrukturen und gesetzlichen Rahmenbedingungen häufig schwer, diese auch sinnvoll einzusetzen und nachhaltig zu etablieren. Als Beispiele für Stolpersteine nannte Söhnlein Vergabeverfahren, Zyklen der Haushaltsplanung und besonderen Datenschutz.

Peter Maerz (PTA) ließ wiederum täglich das Murmeltier irren und führte aus, welche Fehler immer wieder in agilen Projekten gemacht werden, obwohl wir es besser wissen. Dabei reflektierte er über ein reales agiles Projekt, das in einer zuvor fest definierten Umgebung durchgeführt wurde und analysierte diverse Probleme in Bezug auf Release Planung, Teamzusammensetzung, Kundenkommunikation und mehr.

Wie kann eigentlich agile Führung aussehen? Diese Frage stellte Martin Wilbers (susanne bohn Leadership Competence) in der von ihm geführten Dieskussion. Dabei wurde ausgelotet, welche Möglichkeiten es gibt, die wahrgenommenen Grenzen agiler Vorgehensmodelle mit Blick auf konventionelle Organisationsformen in einem Betrieb auszuweiten und welche Herausforderungen das für agile Führung und agile Führungskräfte bedeutet. Es entstand ein reger Austausch dazu mit und innerhalb des Publikums.

Das agile Transformation auch etwas mit Lernen zu tun hat, diese These stellte wiederum Dr. Vera Gehlen-Baum vor. Denn Lernen ist etwas sehr Individuelles und hat genau deswegen sehr viel mit Agilität zu tun! In ihrem Ansatz des agilen Lernens werden die Lernenden in den Mittelpunkt gestellt, die selbst entscheiden, was sie brauchen, in welcher Intensität und v.a. mit welchem Ziel. So können Sie sich auch aktiv im agilen Arbeiten einbringen.

Eine ganz praktische Frage, die regen Zuspruch des Publikums im späteren Open Space erhielt, behandelte Jürgen Leger (Clear IT) mit dem „agilen Werkvertrag in der Praxis“. Er stellte in seiner Session den agilen Werkvertrag auf Basis von Scrum vor und ging auf die praxiserprobten Vorgehensmodelle Service Center und Competence Center ein. Auch Best-Practice Beispiele für die Vorgehensweise und Angebotserstellung bei agilen Werkverträgen wurden von ihm genannt.

Der Project Management Day schloss mit einem einstündigen Open Space ab, in dem die zuvor genannten Themen aber auch neue Fragen lebhaft diskutiert wurden. Die Teilnehmer*innen lobten den interaktiven Part des PM Days. Auch die beiden Leiter der Fachgruppe „People, Projects and Processes“ David Uhlenberg und Thomas Oedinger zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung und versprachen einen weiteren PM Day in 2020.

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