ASQF Quality Brunch

„Gestern: V, heute: agil – und was ist mit der Qualität?“

Dieses Jahr veranstalten wir den ersten Quality Brunch, ausgerichtet von den Fachgruppen Automotive und Software-Test der Region Berlin-Brandenburg. Immer mehr Firmen wechseln von der Entwicklung nach dem V-Modell zum agilen Vorgehensmodell.
Aber was ist mit der Qualität?
Was ist bei der Einführung von SCRUM zu beachten und was sollte man vermeiden?
Mit diesen Themen wollen wir uns bei einem ausgedehnten Frühstück beschäftigen.
Zunächst werden in zwei Vorträgen einige der Fragestellungen genauer betrachtet und im Open Space Format nach Ihren Wünschen und Fragen weiter diskutiert. Was sind Ihre Erfahrungen, Sorgen, Methoden, …?

 

09:00 Uhr: Einlass

09:30 Uhr: Begrüßung

09:45 Uhr: Holger Kühnl „Einführung von Agile – do’s & dont’s“

10:30 Uhr: Dr. Tobias Maier „(Fr)agile Meisterschaft – Die besten Teile ergeben nicht das beste Ganze“

11:15 Uhr: Themenfindung für open space Gruppen

11:30 Uhr: open space mit Brunch in 3 verschiedenen Themengruppen (pro Gruppe ca. 10 Teilnehmer, die jeweils nach ca. 50 Minuten die Gruppe wechseln)

14:00 Uhr: Themenfindung für den nächsten Brunch, wrap up

Holger Kühnl: „Einführung von Agile – do’s & dont’s“
Abstract:
In Zeiten immer anspruchsvoller werdender Kundenanforderungen und steigender Komplexität in der Softwareentwicklung, entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die Einführung von agilen Methoden und Prozessen. Gründe sind u.a. weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben und das Unternehmen besser auf die immer schneller werdenden, veränderbaren Herausforderungen des Marktes und Kundenansprüche vor zu bereiten.
Die Ziele für eine solche Einführung sind seitens des Managements schnell definiert und lassen sich meist auf eine vereinfachte Formel reduzieren: Alles soll „einfacher“, „besser“, „schneller“ und letztlich „effizienter“ ablaufen. Das bei der Implementierung von agilen Arbeitsweisen (z.B. SCRUM) schon hier die ersten Reibungsverluste vorprogrammiert sind, wenn es z.B. um die viel zitierte „Effizienz“ geht, wird oft übersehen.
Solche Einführungsentscheidung sind i.d.R. mit schwerwiegenden Veränderungen im Unternehmen verbunden, die bis in die Unternehmenskultur reichen und regelrechte Paradigmenwechsel mit sich bringen. Werden diese vorab nicht bedacht, entstehen zwangsläufig „blinde Flecken“, die aber spätestens dann als wahre „show stopper“ in Erscheinung treten, wenn es darum geht, die neuen agilen Management- und Arbeitsmethoden umzusetzen und wirklich langfristig danach zu „leben“.
Fazit:  Allzu oft entpuppt sich die „heilsbringende“ Einführung als wesentlich schwieriger, als vorab angenommen. Betrachtet man die agilen Implementierungsergebnisse, variieren diese oftmals stark und haben im unglücklichsten Fall nichts mehr mit den agilen Gedanken und Werten zu tun. Zu guter Letzt werden auch die vorab definierten Ziele der Unternehmensführung nicht erreicht.
Am Beispiel einer SCRUM-Einführung in einem großen, weltweit agierenden Unternehmen, werden einige wichtige Aspekte und Fallstricke aufgezeigt und diskutiert. Diese sollten Sie(!) bei ihrer SCRUM-Einführung tunlichst nicht vergessen um schlussendlich erfolgreich zu sein.
Denn es zeigt sich auch hier wieder: SCRUM ist (weiterhin) einfach zu verstehen, aber (bleibt) schwierig zu beherrschen!

Über den Referenten:
Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker – Wirtschaft, arbeitete Holger Kühnl als Berater für diverse Unternehmen und Branchen. Unter seinen Kunden finden sich Banken, Versicherungen, Pharmaunternehmen, sowie Automobilhersteller und Vertreter der Rüstungsindustrie. Seinen beruflichen Werdegang startete er als methodischer Tester und Berater (z.B. Jahr 2000 Umstellung und EURO-Einführung). Es folgten bald weitere Projekte, im Bereich Software-Test und Testprojektmanagement nach TMap. Beauftragungen als Trainer (Certified Tester), oder Referent schlossen sich an.
Der Schritt in Prozessverbesserungsprojekte nach TPI, SPiCE und CMMI und die ersten Erfahrungen mit der Einführung von agilen Methoden, wie z.B. SCRUM, bei einem großen Mobilfunkanbieter folgten rasch, bis er 2011 als Abteilungsleiter eines mittelständischen Unternehmens und Verantwortlicher für verschiedene Teams und Fachbereiche im Automotive Bereich in Ingolstadt arbeitete. Dann schlossen sich die fachliche Verantwortung in den Domänen Requirements Engineering und Projektmanagement an.
Seit 2013 arbeitet Holger Kühnl in der Bahnbranche für einen großen Zughersteller, wo er im PMO (Project Management Office) u.a. für die Prozessunterstützung – Definition und die Einführung von agilen Arbeitsweisen, Methoden und Prozessen (SCRUM) – verantwortlich ist.
Heute wie damals widmet er sich Themen, wie die Einführung von (agilen) Prozessen, Prozessverbesserungen, aber auch entsprechenden Testing im PMO und div. Projekten.

 

Dr. Tobias Maier: (Fr)agile Meisterschaft – Die besten Teile ergeben nicht das beste Ganze

Abstract:
Mit Meisterschaft (mastery) bezeichnet man eine der Säulen intrinsischer Motivation. Sie stellt einen der fundamentalen Werte im lean-agilen Mindset dar (pursue perfection). Doch mastery ist meist zu kurz gesprochen. Die Führungsspitze eines ehrgeizigen Unternehmens, das ganz nach oben strebt in der hippen Welt moderner und agiler Organisationen, versteht das u.U. grundlegend falsch. Der Vortrag kondensiert und filtert eine prägnante Felderfahrung aus einem beendeten Kundenprojekt (die Firma muss anonym bleiben).
Meisterschaft bedeutet in der lean-agilen Wertewelt, dass eine Organisation jede Art von Lernbedingung fördert, Lernmechanismen etabliert und ritualisiert und damit Lernerfahrungen verstärkt. Wesentlich dabei ist, dass die Organisationsmitglieder für Fehler nicht bestraft werden, ja vielmehr zu fehlerträchtigen Experimenten motiviert werden, um daraus zu lernen und die Organisation an dieser Lernerfahrung Teil haben zu lassen. Die Mitglieder sollen sich interessengetrieben in der Organisation (weiter-)entwickeln und in sie einbringen können.
Eine derartige Kultur beflügelt ihre Träger dazu, immer besser werden zu wollen. Gemeint ist also das Streben nach Meisterschaft, umgangssprachlich verkürzt auf Meisterschaft. Es geht darum, die Besten werden zu wollen, und nicht darum, die besten zu sein. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Es geht um den Weg, nicht das Ziel.
Was passiert jedoch, wenn das Top-Management einer Firma den Wert Meisterschaft eben genau falsch versteht, nämlich die besten zu sein, ohne den Weg dahin gehen zu wollen? Erfahren Sie in diesem Vortrag mehr über die Auswirkungen dieses effektvollen Denkfehlers, insbesondere über die Auswirkungen auf Prozess- und Produktqualität.

Über den Referenten:
Dr. Tobias Maier promovierte an der Universität Erlangen-Nürnberg im Fachbereich Physik. Danach begann er seine berufliche Laufbahn zunächst als Software Ingenieur bei der Method Park Engineering GmbH. 2011 wechselte er zur Method Park Consulting GmbH und berät seitdem Kunden im Healthcare Sektor und in der Automobil-industrie zu Fragen der Prozessverbesserung, des Projekt- und agilen Managements im Entwicklungsbereich. In dieser Zeit war er auch selbst als Projektleiter in der Softwareentwicklung und bei Verbesserungsprojekten tätig. Seit 2017 ist er bei Method Park Principal Consultant für agile Transformationen und SAFe® Program Consultant (SPC4, Scaled Agile Framework). Tobias Maier verantwortet bei Method Park den Themenbereich Organizational Change.

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Erhardt Wunderlich

Email: erhardt.wunderlich@asqf.de

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Marc-Florian Wendland

Email: marc-florian.wendland@asqf.de 

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