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Testen auf der T3ST Cha11enge!

Interview mit Maik Nogens und Prof. Dr. Andreas Spillner zur 1. ASQF Test Challenge 

Der ASQF veranstaltet 2020 seine erste Test Challenge ‒ ein Wettbewerb für die Test Community. Initiiert wurde dieses Event aus den Reihen der ASQF-Mitglieder von Maik Nogens, der als Head of Jury und Mitorganisator der Test Challenge fungiert. Aus dem ASQF-Präsidium konnte außerdem prominente Unterstützung von Prof. Dr. Andreas Spillner gewonnen werden, der diese Veranstaltung als Schirmherr unterstützt. Wir haben die beiden zum Interview gebeten.

Herr Nogens, was genau ist die ASQF Test Challenge?

Nogens: Die Test Challenge ist ein sportlicher Wettkampf für Tester. Ziel ist es, eine vorher unbekannte, reale Software innerhalb von drei Stunden zu testen. Hierbei kommt es auf das professionelle Wissen der Tester und ihre Fähigkeiten an, um zum Abschluss dem Produkt einen Mehrwert aus Testreport und gefundenen Auffälligkeiten zu liefern.

Die Gewinner werden aus einer erfahrenen Juroren-Riege ermittelt. Es kommt nicht auf die höchste Anzahl von Fehlern an, sondern auf die Qualität von Fehler- und Testbericht.

 

Was macht einen guten Tester für Sie aus?   

Spillner: Tester müssen oft mehr bedenken als Entwickler. Neben den funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen, die im Test zu prüfen sind, müssen beispielsweise auch Fehleingaben und Fehlbedienungen der Software im Test berücksichtigt werden. Gute Tester*innen sind in der Lage, möglichst viele unterschiedliche Rollen der späteren Anwender einzunehmen und deren Anforderungen und Bedienoptionen der Software nachzuvollziehen und zu testen. Eine herausfordernde Aufgabe!

Nogens: Ein guter Tester zu sein, bedeutet für mich die Offenheit und die Neugier zu lernen. Sowohl im Arbeitsumfeld als auch in der Disziplin „Testing“. Das heißt, sich auch mal aus der Komfortzone in die Lernzone (1) zu bewegen.

 

Herr Nogens, wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit dem ASQF eine Test Challenge zu organisieren? Was reizt Sie an einem Wettbewerb für Tester?

Nogens: Die Test Challenge hat für mich zwei wesentliche Facetten. Erstens arbeiten viele Personen mit diversen Fähigkeiten und Fertigkeiten an einer realen Software. Alles, was die Tester an Auffälligkeiten finden, ist echt und bietet sofortigen Mehrwert für die Produktverantwortlichen.
Diese Form des Testens empfehle ich auch in Unternehmen durchzuführen; unter dem Stichwort „Kollaboratives Testen (Mob Testing)“ (2;3) kann mensch mehr Informationen finden.

Zweitens ist es der gemeinschaftliche Wettstreit. Mein Anliegen war, dass wir uns freundschaftlich vergleichen. Gerade der Austausch über Industrien und Firmen hinweg kann aufzeigen, wie gut, das eigene Testvorgehen im Vergleich ist. Durch die vorher unbekannte, aber für alle identische Software ist das Spielfeld für alle gleich.
Viele andere Disziplinen haben ähnliche Formate (Stichwort: Hackathons) und mit der Test Challenge hat auch unser Berufsbild eine größere Außenwirkung und Wahrnehmung.

 

Herr Spillner, warum haben Sie die Schirmherrschaft übernommen?

Spillner: Eine Test Challenge durchzuführen, ist eine gute Idee, weil damit insbesondere jüngere Personen angesprochen werden und hoffentlich ein „Gemeinschaftserlebnis” entsteht und die Erkenntnis, dass Testen Spaß macht.

 

Was erwartet Sie von der Test Challenge und von den Testing-Teams?

Nogens: Ich erwarte ein sportliches Miteinander, wie ich es vor einigen Jahren bei einem ähnlichen Event erlebt habe: Während des Wettkampfs herrscht professionelle Konzentration, nach dem offiziellen Ende fällt die Anspannung weg und alle Teilnehmer unterhalten sich, tauschen ihre Erfahrungen aus dem Wettkampf miteinander, lernen und haben Spaß.
Vielleicht inspiriert die Test Challenge auch Menschen, dieses Format bei sich in der Stadt oder im Unternehmen auszuprobieren.

Spillner: Es wird sicherlich deutlich werden, wie unterschiedlich die Ansätze zum Testen sein können, und welche eingeschlagenen Teststrategien zu welchen Erfolgen führen. Von den Testing-Teams erwarte ich hauptsächlich Kreativität und vielleicht auch ein vorhandenes Grundlagenwissen im Softwaretest, damit nicht nur „aus dem Bauch heraus” getestet wird.

 

Wie bewerten Sie die Rolle der Tester im agilen Team? 

Spillner: Bei den cross-funktionalen agilen Teams gibt es ja keine expliziten Rollen mehr, trotzdem soll in den Teams Testwissen vorhanden sein. Je mehr Teammitglieder fundiertes Wissen im Testen besitzen, umso besser. Wenn bei der Programmierung schon mit an den Test gedacht wird, kann dies nur von Vorteil sein, da der Programmcode dann meist einfacher ausfällt (auch im Sinne von Clean Code).

Nogens: Es wird immer den Bedarf für den Schwerpunkt „Testing“ geben.
In einem gut funktionierenden agilen Team ist der Tester wie ein agiler Oktopus (4) zwischen Business und Technik unterwegs und bringt die Qualität mit dem Team zusammen voran. Das kann vom Hinterfragen der Akzeptanzkriterien über Fixes im Code bis zu Monitoring der Produktion reichen.

 

Wie sieht die Zukunft des Testens aus? Was erwartet uns? Gibt es Trends, die besonders nachhaltig sein werden?
Nogens: Wie auch immer die Zukunft für unsere Profession aussehen mag, das Gute ist, dass jeder sich darauf vorbereiten kann. Viele unserer Techniken und Methoden werden weiter ihren Wert behalten und anwendbar bleiben, egal ob es KI, Blockchain oder etwas Unbekanntes ist.
Solange wir Tester einen kritischen Geist, einen offenen Blick und die Neugier zum Lernen behalten, werden wir gut aufgestellt sein.
Persönlich glaube ich, das eXtended Reality (xR) (5) sich weiter etablieren wird. Augmented Reality (AR) ist schon in vielen Industrien etabliert und Virtual Reality (VR) hat durch die derzeitige Selbst-Isolierung einen weiteren Schub erhalten und die Praxistauglichkeit bewiesen.

Spillner: Vorhersagen sind ja immer schwierig, aber in den kommenden Jahren wird KI und Testen uns zwei Ausrichtungen beschäftigen: Test von KI-Systemen und Testen durch oder mit Unterstützung von KI-Systemen. 

Zu lösen ist das Problem des fehlenden Testorakels Ergebnisse von KI-Systemen lassen sich ja nicht vorhersagen und damit kann auch nicht vorab festgelegt werden, was die erwarteten Ergebnisse beim Testen der KI-Systeme sind. Nach meiner Einschätzung sind neue Testansätze erforderlich.

 

Was bedeutet Testing bzw. Qualitätssicherung in der heutigen Situation für das Krisenmanagement?

Spillner: Wenn auf QS und Testen verzichtet wird oder wenn sie nur unzureichend durchgeführt werden, kann eine Krisensituation noch weiter eskalieren, da die verwendete Software dann zu fehlerhaft ist. Ein Verzicht auf QS und Tests in Krisenzeiten ist somit keine anzuratende Option.

Nogens: Ich denke, viele Unternehmen, die das agile Manifest (6) verstanden haben und es leben, sind mit weniger Stolpersteinen in und durch die derzeitige Situation gekommen. Das bedeutet auch für das Testing, diese Flexibilität zu leben und aus der Lage heraus z.B.: den Plan anzupassen und Qualitätsmerkmale umzupriorisieren.
Ich habe an einen internationalen Open Source Projekt für Corona-Daten mitgearbeitet (Disclaimer: Wir haben am 13. März angefangen; weit bevor sich offizielle Stellen mit dem Thema befasst haben) und es ist eine Herausforderung, mit täglich wechselnden Informationen und unbekannten Beteiligten (Designer, Entwickler, Tester, …) umzugehen. Einerseits das Testing strukturiert anzugehen und umzusetzen, andererseits auch aus der Lage heraus zu pivotieren und anzupassen.

Neben der fachlichen und handwerklichen Herausforderung ist es auch eine mental stressige Zeit. Menschen (und Unternehmen), für die „Responding to change over following a plan“ ein normaler Modus ist, kommen damit besser zurecht.

Die ASQF Test Challenge wird am 3. November 2020 als Online-Event stattfinden.

Die Interviewpartner

Maik Nogens arbeitet als Quality Evangelist bei MaibornWolff. Dort fokussiert er sich auf die agilen Aspekte des Softwaretestens und die Transformation der traditionellen Rollen im Testmanagement.

Als Ausdruck seiner Leidenschaft für die Disziplin „Testing“ ist er Sprecher auf internationalen Konferenzen und hat viele Communities aufgebaut und aktiv begleitet.

In 2014 und 2016 hat er den Software Testing World Cup (STWC) konzipiert und implementiert und in 2017 das erste „QS Barcamp“ in Hamburg organisiert und ausgestaltet.

Er ist ein Schwarzgurt in der Miagi-Do School of Software Testing, hat an BBST und RST Kursen teilgenommen, und konzipiert und hält Workshops für agile Themen.

Seine praktische Erfahrung komplementiert er mit der Theorie und diversen Zertifikaten (CAT, CABA, IREB, ISTQB Full Advanced Level, CSM, etc.). 

 

Prof. Dr. Andreas Spillner ist über 40 Jahren im Bereich der Softwareentwicklung in Praxis und Forschung tätig. Bis 2017 war er Professor für Informatik an der Hochschule Bremen.

Dr. Spillner ist Fellow der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Mitglied im Präsidium des ASQF, Gründungsmitglied des German Testing Board e.V. (seit 2010 Ehrenmitglied) und war Gründer sowie Sprecher der Fachgruppe „Test, Analyse und Verifikation von Software” der GI. Er ist Autor bzw. Mitautor von diversen Büchern und einer Vielzahl von Veröffentlichungen in Zeitschriften. Darüber hinaus hat er zahlreiche Vorträge auf internationalen und nationalen Tagungen gehalten.

 

 

  1. http://www.thempra.org.uk/social-pedagogy/key-concepts-in-social-pedagogy/the-learning-zone-model/
  2. https://www.maibornwolff.de/aktuell/04/2020/kollaboratives-testen-artikel-von-katharina-warak
  3. https://www.maibornwolff.de/aktuell/02/2018/kollaborative-testmethoden-wissen-verteilen-kreativ-testen
  4. https://twitter.com/buggylina/status/915576881675718658/photo/1
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Extended_reality
  6. https://agilemanifesto.org/

 

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